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mit Paul Reinhard

Oktober 2010 – Interview mit Paul Reinhard, Abteilungsleiter Badminton

1. Kurze Personenvorstellung

Nun, handeln wir das mal ein wenig Stichpunkt-mäßig ab:

- geboren am 05.01.1939, in Berlin – Kreuzberg, 3 Schwestern
- Vater, selbständiger Handwerksmeister, 1945 verstorben.
- Mutter führt den Betrieb weiter, legt Gesellen und Meisterprüfung ab.
- Lehre bei der Mutter, seit 1965 Glasermeister, übernehme von der Mutter das Geschäft
- Seit 1959 verheiratet mit Ehefrau Christa, drei Kinder (1 Tochter + 2 Söhne), 6 Enkelkinder, Ehefrau, Kinder und teilweise auch die Enkelkinder sind Badmintonspieler. Die Söhne spielen sich durch bis in die erste Bundesliga, erreichen mehrfach Titel bei Berliner, Norddeutschen- und Deutschen Meisterschaften, sowie Ranglistenturnieren.
Ich selbst bin mit 14 zum Sport gekommen, erst Handball, ab 1956 dann Badminton, das sich damals in Deutschland im Aufbau befand.
Bis 1988 war ich selbst aktiver Badminton-Spieler, als Funktionär war ich im Prinzip alles: vom Sportwart über Kassenprüfer bis zum Ausschuß für den Spielbetrieb. Ich war mitverantwortlich für den Spielbetrieb in ganz Deutschland (Bundesliga, Turniere, Meisterschaften), habe international die deutsche Nationalmannschaft als Delegierter begleitet und betreut und habe einige hochrangige Turniere organisiert.
Seit 2000 bin ich Rentner mit Altersruhesitz in Zossen/Dabendorf.

2. Seit wann bist Du Abteilungsleiter der Abteilung Badminton? Wie bist Du zu dieser Aufgabe gekommen und warum hast Du sie übernommen?

2002 gründete ich eine Badminton-Abteilung im KJSV Brandenburg und übernahm auch deren Leitung. Diese ging 2005 in der neugegründeten Badminton-Abteilung von Rot-Weiß Dabendorf auf, deren Leitung ich ebenfalls übernahm. 2006 wollte ich mich dann von der Funktionärstätigkeit zurückziehen. Doch durch die Fusion mit Blau-Weiß Zossen gab es auf einmal neue Möglichkeiten und Perspektiven. Durch unsere wunderschöne Sporthalle und die gute Kameradschaft im Verein und der Abteilung, blieb mir im Prinzip nichts anderes übrig als, wenn auch reduziert, weitermachen.

3. Wie groß ist die Abteilung bis jetzt und wie beurteilst Du die Entwicklung der Abteilung seit der Fusion?

Nach der Fusion hatten wir kurz eine Steigerung auf etwa 50 Mitglieder, was aber leider nicht von langer Dauer war. Mittlerweile hat die Abteilung 40 Mitglieder. Besonders stolz sind wir auf die Jugendmannschaft, die seit dem 01.10.2011 existiert. Diese hat derzeit 12 Mitglieder.

4. Was sind die Pläne für die Zukunft, wo soll es mit der Abteilung Badminton hingehen?

Dies kann man kurz zusammenfassen: Leistungssteigerung und Verjüngung der Mannschaft sowie der weitere Ausbau der Jugendabteilung.

5. Ende November steht ja ein großes Highlight für Euch an – die Landesmeisterschaften in der Dabendorfer Turnhalle. Wie ist es dazu gekommen, das dieses Ereignis hierher geholt werden konnte, was für Hürden mussten genommen werden und wie lief/läuft die Vorbereitung?

Ich habe in den letzten 50 Jahren viele Badminton-Meisterschaften und Turniere + Ranglistenturniere als Turnierleiter gestaltet. Vereinsmeisterschaften, Berliner Meisterschaften, von 1970 – 2005, 35 Deutsche Meisterschaften und ca. 30 Deutsche Juniorenmeisterschaften, etwa 100 Ranglistenturniere auf Deutscher Ebene, drei Europa Meisterschaften und ein Mannschaftsturnier um den Europa Pokal 2002, dazu noch etwa 50 Internationale Turniere wie die German – Open, den Hamburg – Cup, die BMW – Open und die Bitburger –Open.

Zum vorläufigen Abschluss meiner Funktionärstätigkeit wollte ich noch einmal ein großes Turnier in unserer Dabendorfer Sporthalle für den MSV ausrichten. Das ist mehr oder weniger der Hauptgrund, dass wir vom 25.-27.11.2011 die Berlin-Brandenburger Landesmeisterschaften ausrichten. Sie ist bestens für solche Turniere geeignet.
Wie es dazu kam? Nun, als Abteilungsleiter Badminton beim MSV bin ich verpflichtet, an den Sitzungen des Berlin-Brandenburger Fachverbandes teilzunehmen. Hier hatte ich noch die alte Lobby und alte Sportfreunde aus meiner Berliner Zeit. Mein ursprünglicher Plan, vor zwei Jahren die Norddeutschen Einzelmeisterschaften auszurichten ist leider fehlgeschlagen, dass Turnier war bereits nach Luckau vergeben, Da die nächsten Norddeutschen erst wieder 2016 in Berlin-Brandenburg stattfinden, habe ich mich um die Landesmeisterschaften 2011 beworben und auch den Zuschlag erhalten.
Mittlerweile sind wir in der letzten Phase der Vorbereitung. Viel Arbeit liegt schon hinter uns. U.a. musste die Netzkonstruktion erneuert werden. Die bisherige war zwar für den Schulsport und das Vereinstraining ausreichend, jedoch in keiner Weise für Turniere. Unsere Bürgermeisterin, Frau Schreiber, hat die Schirmherrschaft für dieses Turnier übernommen. Grußworte für das Programmheft sind eingegangen, z.Z bin ich dabei, Inserate für das Programmheft zu bekommen, was nicht ganz einfach ist. Das Gleiche gilt für Sponsoren.

6. Welche Vereine werden an den Start gehen, was für ein Programm wird den Sportlern und den Zuschauern geboten?

Überwiegend sind es Vereine aus Berlin, aber auch viele aus Brandenburg, von Karstädt – Luckau und Eggersdorf bis aus Potsdam/Teltow.
Gespielt werden alle 5 Disziplinen. Freitag nur das Gemischte Doppel; Samstag das Herren- und Dameneinzel sowie das Herren- und Damendoppel; Sonntagvormittag sind die Halbfinalspiele, ab Mittag die Endspiele.
Es werden bei ca. 140 Teilnehmern in etwa 160 Spielen die Landesmeister ermittelt.
Ca. 100 Dutzend Naturfederbällen werden dabei die Gänsefedern ausgeschlagen.

7. Schildere doch mal in knappen Worten, wie die Planung für solch eine Veranstaltung abläuft, so dass auch jeder mal einen kleinen Einblick hinter die Kulissen hat.

Die Bewerbung für die Veranstaltung ging beim Spielausschuss des Fachverbandes, ca. 12 Monate vorher ein. Der Ausrichter (also der MSV) ist verantwortlich für die Sporthalle mit einem repräsentativen Rahmen, Organisierung der Schiedsrichter, Linienrichter, Zähltafeln. Schiedsrichterstühle für 6 Spielfelder, Dekoration der Hallen (Blumen, Fahnen usw.); Erstellung eines Programmheftes; Plakatwerbung; Presse; Internet, Zeitung und Fernsehen. Organisation der Cafeteria, Verpflegung für etwa 180 Teilnehmer, ansprechen von Firmen für Inserate im Programmheft; Sponsoren. Selbst ca. 20 Körbe für die Sportkleidung am Spielfeld müssen besorgt werden.

8. Zurück zum Tagesgeschehen: Wie beurteilst Du den bisherigen Saisonverlauf Eurer beiden Mannschaften? Was sind die Saisonziele?

Unsere Zweite spielt in der Freizeitliga TF/LDS. Sie machen dort 6 Mannschaftsspiele. Auf- oder Abstieg ist nicht möglich. Der Spaß steht dort eindeutig im Vordergrund.
Die Erste ist in der letzten Saison unglücklich abgestiegen und wird voraussichtlich den Wiederaufstieg in die E-Klasse des Spielbetriebes Berlin-Brandenburg schaffen. Nach zwei Siegen stehen die Chancen gut.

9. Eine Frage zum Gesamtverein: Der MSV Zossen ist ja noch ein relativ junger Verein – was müsste Deiner Ansicht nach noch getan werden, damit der Verein noch enger zusammenwächst und dadurch ein besseres Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht?

Meine private Meinung, jedoch mit über 50 jähriger Erfahrung als Sportfunktionär:
durch die Fusion der beiden Zossener Vereine ist der MSV fast ein Großverein geworden. Es ist nahezu unmöglich die Abteilungen zusammen zu schweißen. Es wird immer verschiedene Interessen geben. Der Unterschied zwischen reinem Mannschaftssport und Individualsport ist zu groß. Selbst in einer Abteilung mit mehreren Mannschaften wird es unterschiedliche Gruppierungen geben. Dies war in der Stadt so und ist im ländlichem Bereich nicht anders.
Meiner Meinung nach sollten die Abteilungen selbstständiger sein, Verwaltungstechnisch wie Finanziell (Vereine im Verein). Egal ob Großverein oder kleinere Gruppen, unter dem Dach des Hauptvereins, wird es an Personen mangeln, die ehrenamtlich die Vereinsarbeit machen.